Der Zeustempel steht da, inmitten des zerklüfteten Felsentales. Das Bauwerk umschliesst die Gestalt des Gottes und lässt sie so zugleich durch die offene Säulenhalle hinausstehen in den heiligen Bezirk. Im Tempel und durch den Tempel west der Gott an und lässt so erst den Bezirk als einen heiligen sich ausbreiten und ausgrenzen. Die Anwesenheit des Gottes verschwebt nicht ins Unbestimmte, sondern umgekehrt : das Tempelwerk fügt erst und sammelt erst die Einheit jener Bezüge, in die Geburt und Tode, Unheil und Segen, Sieg und Schmach, Einzigkeit und Verfall eines Volkes eingefügt sind. Die waltende Einheit dieser Bezüge nennen wir eine Welt. In dieser kommt je ein Volk zu sich selbst. Das Tempelwerk ist die fügende Mitte aller Fugen der jeweiligen Welt.
Dastehend ruht das Bauwerk zugleich auf dem Felsgrund. Damit zeigt dieser erst das Dunkle seines ungefügen Tragens. Dastehend hält das Bauwerk dem darüber hinrasenden Sturm stand und zeigt so erst diesen in seiner Gewalt. Der Glanz und das Leuchten des Gesteins — scheinbar selbst nur von Gnaden der Sonne — zeigt doch eben erst das Lichte des Tages, die Weite des Himmels und die Finsternis der Nacht. Das sichere Ragen des Tempels steht ab gegen das Wogen der Meerflut und lässt erst aus der Ruhe das wilde Toben aufscheinen. Der Baum und das Gras, der Adler und der Stier, die Schlange und die Grille rücken erst ein in ihre abgehobene Gestalt und kommen so heraus in dem, was sie sind. Dieses Herauskommen nannten die Griechen ϕυσις. Dies meint : das von sich her Aufgehende und so ins Licht Tretende. Ihr Wort für das Aufleuchten : ϕαος, ϕως hat dieselbe Wurzel. Dieses Aufgehende trägt, umfängt und durchdringt alle Dinge. Es ist das Ganze, worauf und worinnen der Mensch sein Wohnen gründet. Wir nennen es die Erde. Von dem, was dieses Wort nennen will, ist sowohl die Vorstellung einer abgelagerten Stoffinasse als auch die nur astronomische eines Planeten fernzuhalten. Das Tempel-werk bringt dastehend das Volk in den gefügten Bezug seiner Welt. Zugleich lässt es die Erde aufgehen als den heimatlichen Grund, dem sein Dasein aufruht. Nicht aber sind die Menschen und Tiere, die Pflanzen und das Übrige als unveränderliche und bekannte Dinge vorhanden, um dann nur für den eines Tages auch vorhandenen Tempel die passende Umgebung abzugeben. Alles ist da umgekehrt : der Tempel gibt in seinem Dastehen den Dingen erst das Gesicht, mit dem sie künftig sichtbar werden und auf eine Zeit sichtbar bleiben. Und so das Bildwerk des Gottes, das der Sieger im Kampfspiel ihm weiht. Kein Bild, damit man nur wisse, wie der Gott aussieht. Keiner weiß dies ; aber ein Werk, das der Gott selbst « ist », das ihn anwesen lässt und jeden trifft und den weihenden Mann herausstellt als den, der er ist. Und so das Sprachwerk — die Tragödie — ; es wird da nichts vorgeführt und nur bekannt gemacht, sondern der Kampf der neuen Götter gegen die alten wird eröffnet. Indem das Sprachwerk aufsteht im Sagen des Volkes, redet dieses nicht über den Kampf, sondern durch das Sprachwerk wird das Sagen dahin verwandelt, dass es in jedem wesentlichen Wort den Kampf führt und zur Entscheidung stellt, was groß ist und was klein, was wacker und was feig, was dauernd und was flüchtig, was Herr und was Knecht.
(Der Ursprung des Kunstwerkes, 1935)
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Les trois interrogations dx h/dx, e/e, da/letzte (dx là , dx loin) n'en font qu'une, que l'on pourrait noter : e/e°
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